Risikobewusste Unternehmen behandeln Risiken als gemeinsame Verantwortung

Blogs und Artikel

Neue Strategien im Risikomanagement: Führungskräfte müssen Verantwortung neu bewerten und Lösungen für alle Bereiche des Unternehmens finden.

Sue Trombley
Sue Trombley
14. November 20237 Min.
What Does A Risk-Aware Organization Look Like? Start By Treating Risk As A Shared Responsibility.

Die meisten Führungskräfte sind sich einig, dass das Risikomanagement ihres Unternehmens nur dann sinnvoll ist, wenn es alle Abteilungen und Bereiche berücksichtigt. Doch eine von uns finanzierte aktuelle Umfrage von Economist Impact unter 650 Führungskräften weltweit hat ergeben, dass viele noch zögern, eine solche Strategie auch umzusetzen.

Weniger als die Hälfte der Führungskräfte investieren derzeit in unternehmensweite Risikomanagement-Teams. Nur 36 % geben an, dass das Risikomanagement in ihrer allgemeinen Strategie eine Rolle spielt oder die Fähigkeit zur Entscheidungsfindung in ihrem Risikomanagement eine wichtige Stelle einnimmt.

Obwohl Risikoermittlung und -management in aller Munde sind, verstehen viele Führungskräfte noch nicht, wie gefährlich ein einzelner Vorfall für die gesamte Struktur sein kann: Wenn in einer Abteilung etwas passiert, kann sich das auf verschiedene Weise auf die ganze Region oder gar das ganze Unternehmen weltweit auswirken. Genau diese Verflechtungen machen eine abteilungsübergreifende Strategie erforderlich.

Wie sieht ein risikobewusstes Unternehmen heute aus? Die Verantwortung sollte nicht mehr auf den Schultern eines einzelnen Risk Manager oder Risk Officer liegen, sondern muss interdisziplinär und vernetzt betrachtet werden. Es braucht ein Framework, mit dem Risiken im gesamten Unternehmen vorhergesehen und minimiert werden können.

Die Gefahren einer kleinteiligen Risikostrategie

Risiken gibt es überall im Unternehmen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dabei ganz unterschiedliche Faktoren zum Tragen kommen: Risiken können finanziell, technisch oder betrieblich bedingt sein oder durch Umweltfaktoren oder neue Arbeitsweisen verstärkt werden. Die meisten Führungskräfte weltweit wissen das und versuchen, diese Risiken zu minimieren. Sie sind sich ebenfalls bewusst, dass das Risikomanagement alle Bereiche eines Unternehmens abdecken sollte. Ein Großteil (57 %) sagt aber auch, dass in ihrem eigenen Unternehmen die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit noch besser werden muss.

Mit einer Risikomanagement-Strategie, die nur Cybersicherheit, finanzielle Faktoren oder Fluktuationen in der Lieferkette berücksichtigt oder aber nur auf bestimmte Geschäftsbereiche ausgerichtet ist, geht die Kontrolle über Risikoermittlung und -minimierung schnell verloren. Beispielsweise hat sich gezeigt, dass der Umbau oder die Schließung von Büros unerwartete Risiken mit sich bringen.

„Risiken gibt es in jedem geschäftlichen Unterfangen. Unsere Aufgabe besteht darin, vorauszuplanen und ein Auge auf die Aktivitäten zu haben, von denen wir wissen, dass sie Risiken mit sich bringen. Außerdem müssen wir die Erkenntnisse aus unserer bisherigen Arbeit einbringen, um neue potenzielle Gefahren vorherzusehen. Best Practices, erfahrenes Personal, die richtigen Ressourcen sowie klare Kommunikation und Zusammenarbeit sind für die Risikominderung essenziell.“
Aurora Cammarata, Corporate Real Estate & Facilities Advisor bei Iron Mountain

Unsere Umfrage zeigt, dass die Verantwortung für das Risikomanagement in Unternehmen selten formell geregelt ist: Nur 29 % der befragten Führungskräfte haben klare Richtlinien, und nur 22 % haben offiziell Verantwortliche benannt. So entsteht ein Umfeld, das die Mitarbeitenden und ganze Abteilungen im Dunkeln lässt, wenn zum Beispiel in einer Abteilung ein Vorfall eintritt und die anderen Abteilungen die Auswirkungen spüren, aber nicht darauf vorbereitet sind und dementsprechend auch keine Gegenmaßnahmen ergreifen können.

Was die Resilienz von Unternehmen angeht, kam eine Umfrage von 2022 zu ähnlichen Ergebnissen – und Resilienz hängt direkt mit dem Risikomanagement zusammen. Ganze 84 % der befragten Führungskräfte waren sich einig, dass eine nachhaltige, resiliente Kultur und ein entsprechender Betrieb nur bei abteilungsübergreifender Zusammenarbeit möglich sind.

Wer ist für das Risikomanagement verantwortlich?

Damit ein Unternehmen wirklich risikobewusst werden kann, muss das Risikomanagement als gemeinsame Verantwortung behandelt werden. Über 60 % der befragten Führungskräfte glauben, dass ihr Unternehmen den Informationsaustausch zwischen Abteilungen, Teams und externen Partnern verbessern muss. Als sie gefragt wurden, wer für das Risikomanagement im Unternehmen zuständig ist, nannten sie verschiedenste Rollen vom CEO bis zur IT-Leitung – es herrscht also keine Einigkeit darüber, bei wem die Verantwortung letztendlich liegt.

Da Risikoermittlung und -management Teil des geschäftlichen Alltags sind, ist es wichtig, alle Mitarbeitenden als Risk Manager zu begreifen, sie entsprechend zu schulen und die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. Nur so entsteht ein wirklich risikobewusstes Unternehmen.

Wie sieht ein risikobewusstes Unternehmen aus?

Ein effektives Risikobewusstsein zeigt sich u. a. darin, dass einflussreiche Stakeholder Interesse am Thema bekunden. Doch nur 4 % der befragten Führungskräfte haben ein Risikomanagement-Komitee, das direkt verantwortlich zeichnet. Ein solches Komitee bildet das Gerüst für ein umfassendes, abteilungsübergreifendes Team, das nicht nur informierte Entscheidungen treffen kann, sondern auch die praktische Umsetzung des Risikomanagements im gesamten Unternehmen fördert. Das bringt gleich mehrere Vorteile mit sich:

  • Fachlicher Input von Risk Officers, von Expert:innen aus den Bereichen Recht, Operations, IT, Data Analytics, HR, aus der Geschäftsleitung sowie ggf. von externen Fachleuten
  • Effektive Zusammenarbeit zwischen Abteilungen oder Geschäftsbereichen
  • Optimierte Ressourcennutzung und Budgets für eine bessere Risikominderung
  • Gemeinsame Zielsetzung: Risiken managen und Reputation des Unternehmens schützen
  • Schaffung eines unternehmensweiten Richtlinien- und Weiterbildungsprogramms

Wie ausgeprägt die Kompetenzen im Risikomanagement sind, hat immense Auswirkungen darauf, wie gut die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit funktioniert. Wenn alle dieselbe Sprache sprechen, entsteht eine Kultur, in der mögliche Risiken proaktiv ermittelt und analysiert werden können. Mitarbeitende mit einer ausreichenden Risikokompetenz sind in der Lage, Risiken zu verstehen, einzuordnen und ihrer Rolle entsprechend darauf zu reagieren. Sie können Informationen zu Bedrohungen und Schwachstellen weitergeben, damit Entscheidungen schnell getroffen und die Risiken effektiv gemanagt werden können.

Ein risikobewusstes Unternehmen misst seine Risiken – und auch den Erfolg seines praktischen Risikomanagements. Die Einschätzung der befragten Führungskräfte ist möglicherweise etwas zu positiv: Fast 70 % glauben, dass ihr Risikomanagement ein wenig oder sogar deutlich fortgeschrittener ist als das ähnlicher Unternehmen. Doch sie haben keinen konsistenten Prozess zur Nachverfolgung oder zur Messung ihrer Maßnahmen. Dadurch ist es schwierig, den ROI dieser Maßnahmen zu beziffern oder den Stakeholdern zu vermitteln, welche Fortschritte gemacht wurden. Ein gut messbares Risikomanagement hilft in allen Bereichen des Unternehmens, das Engagement aufrechtzuerhalten und aktuelle Initiativen zu unterstützen.

Fazit: Warum ist abteilungsübergreifende Zusammenarbeit für das Risikomanagement so wichtig?

Damit Unternehmen im heutigen komplexen Umfeld erfolgreich sein können, ist ein effektives Risikomanagement unabdingbar. Ein risikobewusstes Unternehmen weiß, dass es nicht reicht, einzelne Personen, Abteilungen oder Geschäftsbereiche zu beauftragen, sondern dass eine übergreifende Zusammenarbeit mit offenen Kanälen, dedizierten Teams, ausgebildeten Risikokompetenzen und genauen Messungen erforderlich ist. Nur so ist es möglich, Risiken frühzeitig zu erkennen und proaktiv zu managen.

Risikomanagement und unternehmerische Resilienz sind weiterhin beliebte Gesprächsthemen, und Führungskräfte waren noch nie so interessiert daran, passende Strategien umzusetzen.